Neujahrsgruß 2017

Liebe Klimafreunde,
Liebe Freundinnen und Freunde,

es gab in den letzten Tagen viele Wünsche für besinnliche Feiertage und ein Gutes Neues Jahr.

Dem will ich mich anschließen, das wünsche ich Euch auch.

Aber mit Anmerkungen.
Unter besinnlich meine ich nicht beschaulich, Kerzenschein, heile Welt, sondern: Besinnung auf das Wichtige. Mit dem Guten Neuen Jahr nicht etwas mehr Wohlstand für jeden von Euch, sondern für alle das Gute, also Solidarität, Freundschaft, auch der Enkelgeneration gegenüber, und anständiges Verhalten gegenüber der Erde mit weniger Müll, Gift, Treibhausgasen. So soll das Jahr 2017 ein Neues sein im Verhalten, Umdenken, bei jedem von uns und in der Gesellschaft, auch weltweit.

Ihr wisst, was ich alles damit meine.

Um das Neue Denken umzusetzen, waren wir bisher zu wenige.

Einige von uns sind seit vielen Jahren aktiv, auf der Straße, schreiben Leserbriefe, machen Flüchtlingsarbeit, versuchen im Handeln Vorbild zu sein. Einsichten wachsen, immerhin hat es den Paris-Beschluss Ende 2015 gegeben.

Aber wir sind zu wenige, die Bundesregierung hat die Energiewende weiter gebremst durch Verkomplizierung des EEG, Maßnahmen zur CO2-Reduktion in den Bereichen Wärme, Mobilität und Landwirtschaft sind völlig unzureichend. Im Sozialen: die Ungleichheit im Vermögen nimmt zu die Zahl der Armen wächst, in D und weltweit. Die Transaktionssteuer oder Vermögenssteuer wurden nicht eingeführt, aus falschen Worten der Politik wurde die „postfaktische“ Akzeptanz der Lüge, der Nährboden für Extremisten wird immer besser. Aversionen gegen Fremde werden geschürt, Solidarität beim Asyl weicht Sorgen um den eigenen Wohlstand. Die Solidarität , auch mit dem Süden und den nachfolgenden Generationen ist aber Voraussetzung für Glück und Wohlstand, und Frieden. Und sozialer Friede ist Voraussetzung für Neues, Wende in der Lebensführung.

Und wir müssen unsere guten Voraussetzungen nutzen. Die physikalischen Fakten sind unerbittlich: wir haben die CO2-Konzentration von 400 ppm weltweit dauerhaft überschritten, der Zuwachs ist auf 3ppm in jedem Jahr angestiegen. Nach Abschätzungen der Wissenschaftler des Weltklimarats wird bei 450 ppm die 2-Grad Grenze überschritten. Das wäre rechnerisch in 17 Jahren. Die 1,5-Grad Grenze in vielleicht 5 oder 7 Jahren. Danach haben die Inselbewohner der Südsee definitiv keine Chance auf Heimat mehr. CO2-Verpressung ist praktisch nicht machbar.

Manche sagen, das Rennen der Erderwärmung ist doch sowieso gelaufen. Das sagen die, die vor zehn Jahren noch große Zweifel an der Klimakatastrophe überhaupt hatten, und die immer gesagt haben: Ihr übertreibt. Heute sieht jeder den Gletscherschwund, veränderte Jahreszeiten, veränderte Vegetation. 65 Mio. Flüchtlinge, davon 85% auch wegen Klimakatastrophe – und hier sieht man dass die Katstrophe für den Süden da ist. Sie kostet jetzt Millionen an Hektar fruchtbaren Landes, Millionen Euro, Millionen Menschenleben. Es werden Milliarden werden. Die Strompreislüge und der Egoismus haben in eine fürchterliche Gedankensackgasse geführt.

Das Rennen ist nicht gelaufen. Wir kämpfen um jedes Zehntel Grad. Stellt Euch vor, es hätte die vielen Proteste, Anträge, Forschungen der Kritiker nicht gegeben. Wir müssen aber mehr werden, mehr Aktive. Wir können es schaffen. Beispiel: Mit einer CO2-Abgabe weltweit könnten alle Finanzminister der Welt die Erderwärmung noch rechtzeitig beenden.

So bitte ich Euch, versucht nicht nur den ökologischen Fußabdruck klein zu halten. Versucht den Handabdruck zu vergrößern, mit dem Ihr freundschaftlich Informationen verbreitet, aufklärt, mahnt, immer wieder fragt: Nützt es der Solidarität? Ist es kompatibel mit dem 1,5-Grad Beschluss?

Und diejenigen, die bisher noch zögerlich waren sich zu engagieren: Ihr werdet gebraucht! Die schweigende Mehrheit muss sich aktiv einsetzen, damit auch Politiker es merken, damit wir andere verbindliche Regeln bekommen. Damit wir z.B: eine Transaktionssteuer bekommen, aber auf jeden Fall eine CO2-Abgabe in Deutschland. Da sind andere Länder weiter – aber alle in Deutschland und auf der ganzen Welt müssen einschwenken in eine Transformation der Lebensführung aller Lebensbereiche. Damit wir nicht im Chaos versinken.

So wünsche ich Euch und uns ein besinnliches und Gutes Neues Jahr.

 

Euer

Thomas Bernhard